Bezirksverband der Kleingärtner Wolfsburg und Umgebung e.V.

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Verfasst am 10.11.2025 um 15:00 Uhr

„Alle Pflanzen sind eigentlich in der Lage, sich selbst zu helfen.“

Aufschlussreiche Veranstaltung des Landesverbandes mit dem BV Wolfsburg im Oktober 2025 zu Kleingärten im Klimawandel und der Symbiose von Pflanzen und Tieren im Kleingarten unter sich ändernden Bedingungen.


Der Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde (LNG) hat gemeinsam mit dem BV Wolfsburg am 11. Oktober 2025 einen Fachberater Workshop durchgeführt, zu dem 47 Gartenfreundinnen und Gartenfreunde aus den Bezirken und Vereinen nach Wolfsburg gekommen waren. Das Seminar wurde von der Diplombiologin Dr. Birgit Neubohn, vom Naturgarten e.V., geleitet, die nicht nur Baumsachverständige ist, sondern sich auch intensiv mit naturwissenschaftlichen Fragen in der außerschulischen Fortbildung beschäftigt hat. Frau Neubohn führte sehr engagiert in das Programm ein. Sie wies auf deutlich sichtbare Veränderungen hin, die der menschengemachten Klimawandel schon jetzt hervorgebracht hat. Dieser führt auch zu Änderungen in der kleingärtnerischen Gestaltung der Parzellen.


An einem lebhaften Beispiel erläuterte sie den Teilnehmern u.a. das Insektensterben. Dreiviertel der weltweit bekannten Insektenarten sind mittlerweile ausgestorben. Insgesamt sind die Insekten weltweit dramatisch bedroht. Dagegen gibt es aber auch Profiteure des Klimawandels.  Es haben sich Insekten herausgebildet, die in unseren mittleren Breitengraden vorher gar nicht, oder nicht in dieser Fülle ansässig gewesen sind und hier teilweise schon bedrohlich auftreten.


Frau Neubohn führte ein Zitat ein: „Alle Pflanzen sind eigentlich in der Lage sich gegen fast alle Schädlinge selbst zu schützen.“ Da wir Menschen aber mittlerweile so intensiv in die Natur eingegriffen haben, geht dieser Selbstschutz zunehmend verloren. (Stichworte: Herbizide, Pestizide usw.). Früher haben wir unsere Gärten mit seltenen, möglicherweise sogar auswärtigen Pflanzen bestücken wollen, um etwas Besonderes zu haben. Dies hat aber auch dazu geführt, dass wir häufig fremde Arten eingeführt haben, die sich hier jetzt sehr wohl fühlen und sich großflächig verbreitet haben, hier aber nicht heimisch sind. Dies wiederum führte dazu, dass heimische Pflanzen, die ihr natürliches Lebensumfeld hier gehabt haben, verdrängt wurden. Mit den standortfremden Pflanzen sind wiederum viele Schädlinge eingeschleppt worden, die aber die sich verändernden klimatischen Verhältnisse in unseren Breiten gerne als Lebensgrundlage nutzen.


Pflanzen und Tiere bilden im Garten eine Symbiose. Der Mensch sollte so wenig wie möglich hier eingreifen, allenfalls helfend oder unterstützend Lebensräume für bestimmte Tiere im Kleingarten einrichten. Als Beispiel nannte die Referentin den Igel, dem im Garten Plätze für den Winter geschaffen werden sollten. Dass der Igel ein reiner Fleischfresser ist, war für viele der Teilnehmer sicherlich neu und überraschend. In einem natürlichen Garten findet der Igel deshalb ohne Hilfe seine Nahrung selbst.


Ganz interessant war eine Folie, mit von Frau Dr. Neubohn die Klimaveränderungen am Temperaturanstieg der letzten Jahre aufzeigte. Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist im Verhältnis zu den vorausgegangenen Jahrhunderten in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen, so dass es sehr fraglich ist, ob wir das ausgegebene „2 Grad Ziel“ noch halten können. Welche Auswirkungen dies für bestimmte Kipppunkte hat, kann hier nur erinnert werden. Die Häufigkeit der unterschiedlichen Niederschlagsmengen ist ebenso von jedermann zu spüren. Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben wir von Landregen sprechen können, der sich teilweise über Tage bis zu Wochen hingezogen hat, aber unseren Wasserhaushalt natürlich ausglich. Wir haben hin und wieder von einem verregneten Sommer gesprochen. Heute beobachten wir zunehmend trockene bis heiße Sommer in unseren Regionen, die wiederum mit wenigen, aber häufig heftigen Niederschlägen einhergehen, die bis zu Überschwemmungen führen.


Die Referentin ging auf zahlreiche Pflanzenbeispiele ein und erläuterte, wie man durch das Zusammenstellen bestimmter Pflanzenarten einen bunten, natürlichen und nachhaltigen Garten gestalten kann.


Theoretische Gestaltung einer Fläche mittels moderner, für jeden zugänglicher technischer Hilfsmittel


In einem zweiten Teil haben die Teilnehmer in unterschiedlichen Kleingruppen versucht einige der Erkenntnisse selbst aufzuarbeiten. Hierfür steht die App NaturDB zur Verfügung, mittels der je nach Boden und klimatischen Vorgaben, die Gestaltung eines Beetes oder auch einer großräumigen Fläche geplant werden kann. Diese App ist sogar in der Lage, die geforderten Preise für die Pflanzen zu ermitteln, um eventuelle Kosten für die Gestaltung eines Beetes in die Planung einzubeziehen.


Das Seminar endete gegen 16:00 Uhr. Die Teilnehmer waren - jedenfalls aus den Nachfragen und aus der Beteiligung an den jeweils aufkommenden Diskussionen erkennbar - sehr begeistert von der Referentin, der Veranstaltung und dem für viele teilweise neuen Wissen, dass Frau Dr. Neubohn vermittelt hat. Selbst das teilweise schwierige Thema oder auch die beklemmenden Erkenntnisse veranlassen zu der Aufforderung:  Derartige Veranstaltungen sollten unbedingt wiederholt werden. (hake)